Tierschutzverein
Heppenheim

2013

26. Januar:

Trotz Kälte und für den Abend prognostizierten Eisregens (der sich aber gottlob nicht einstellt) mit Glühweinfest ein gelungener Start ins neue Jahr. Schatzmeister Günter Lindemann ist zufrieden, denn die Kasse hat geklingelt.

Februar:

Es wird das Jahr der Katzen: Sage und schreibe 52 Samtpfoten müssen von Veterinäramt und Polizei aus sehr schlechter Haltung in einem Wohnhaus im vorderen Odenwald befreit werden. Tierheimleiterin Antje Schütz und Lisa Immerschitt, Auszubildende im Abschlusslehrjahr, sind mit dabei und erleben ein Bild des Jammers. Die Maine-Coon- und Perserkatzen sind völlig verwahrlost, ihr Fell ist verfilzt, sie leiden an eitrigem Ausfluss, blutigem Durchfall und etlichen Karzinomen. Auch drei Hunde werden dem Tierschutzverein übereignet. „Mit voll beladenen Autos ging es nach vier Stunden, einigen Kratzern und unvergesslichen Bildern im Kopf zurück ins Tierheim“, berichtet Antje Schütz im „Tierheimreport“. „Dass in Heppenheim nicht genug Platz sein würde für die Neuankömmlinge, war schon zuvor klar gewesen.“ Dank „Gemeinsam besser“, der Kooperation von Tierschutzvereinen aus Hessen und Rheinland-Pfalz, können 30 Katzen bei den Kollegen in Mainz, Ingelheim, Reichelsheim (Wetterau) sowie in der Keller-Ranch in Weiterstadt unterkommen. Schütz: „Ohne diese gute Zusammenarbeit hätten wir diese Aufgabe nicht bewältigt.“ Im Herbst werden die Tierheimmitarbeiter von Polizei beziehungsweise Veterinäramt zu weiteren größeren Einsätzen angefordert, und wieder geht es um hilfebedürftige Katzen: zwei Stubentiger in einer verlassenen Wohnung sollten geholt werden – als die Tierschützer eintreffen, ist das eine Tier wohl schon seit längerem tot; das zweite, völlig verstört, kann gerettet und im Tierheim aufgepäppelt werden. Wenig später müssen sieben Samtpfoten aus einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus befreit werden – Katzen und unkastrierte Kater mit alten Verletzungen, mager und ungepflegt. Am Jahresende kommen noch einmal vier Tiere aus schlechter Haltung hinzu; drei von ihnen, Tiger, Mogli und Gaby, werden beim Tierarztcheck positiv auf das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) getestet; auch Kater Riff-Raff, vom Ordnungsamt übergeben, da sein früherer Besitzer ins Pflegeheim kommt, ist FIV-positiv. Die gute Nachricht: Fast alle, vor allem die „Sorgen-Fellchen“, konnten schon in ein neues Heim vermittelt werden!

24. März:

12. Ostermarkt, und immer noch winterliches, stürmisches Wetter. Kurzerhand gibt es zum ersten Mal beim Frühlingsfest auch Glühwein, der ebenso wie Kuchen und Gebäck restlos verputzt wird. Über 2000 Eier aus artgerechter Freilandhaltung vom Langklingerhof in Mörlenbach werden verkauft, auch beim beliebten Bücherflohmarkt bedienen sich die Tierfreunde nach Herzenslust.

18. April:

Hauptversammlung im „Pfotencafé“. Der komplette Vorstand wird ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt. Katrin Hassanin, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, prangert ein weiteres Mal die erhöhten Hundesteuern, aber vor allem die in einigen Kommunen neu eingeführte „Kampfhundesteuer“ an: „Das wird uns das Leben in Zukunft noch schwerer machen.“ Auch Exoten stellen hohe Ansprüche an die artgerechte Unterbringung und Pflege.

11. Mai:

Geranienmarkt im Tierheim: Guter Besuch bei wiederum durchwachsenem Wetter. „SOS Meerschweinchen“ informiert über die Ansprüche der oft recht gedankenlos („für die Kinder“) angeschafften Kleintiere; beim Hundesalon Stella gibt es die passenden Vierbeiner-Kurzhaarfrisuren für die kommende warme Jahreszeit.

Juli:

Schülerinnen des Bensheimer Goethe-Gymnasiums beschäftigen sich in einer Projektwoche mit dem Thema „Tierschutz – was jeder von uns tun kann“. Ein Tag Theorie, zwei Tage Praxis im Tierheim – Renate Knab und Inge Sokoll, die das Projekt vor Ort betreuen, sind sehr zufrieden mit dem Arbeitseifer der Gymnasiastinnen.

Auszubildende Lisa Immerschitt beendet ihre Tierpflegerlehre als Hessenbeste – ein schöner Erfolg auch für Ausbilderin Antje Schütz und das Tierheimteam. Am 1. August beginnt Robin Jackwerth  seine Ausbildung zum Tierpfleger: sein „Traumjob“ und die Krönung seines Engagements als höchst engagierter freiwilliger Helfer seit März 2012. Darüber freut sich auch Kumpel „Schnucki“ alias Staffordmix Ramses.

17. und 18. August:

Zweites Sommerbenefiz im Tierheim, wiederum organisiert von Lisa Immerschitt und ihrem Team, und die treuen Verbündeten vom Heppenheimer Tattoo-Studio „Bonaparte“ legen sich im umfunktionierten „Pfotencafé“ mächtig ins Zeug. Am Ende haben Yasmin, Dennis und Mario 90 Tattoos für den guten Zweck angefertigt; den Erlös teilen sich die Gastgeber vom Tierschutzverein und die Tierrettung Rhein-Neckar.

3. Oktober:

Das Herbstfest toppt alle Rekorde; außerordentlich spendable Besucher („Wir wissen ja, wofür“) sorgen für einen Supererlös – gute Nachrichten für die Schützlinge im Tierheim. Tierfreundin Rena Belzner verkauft ihr neues Buch „Vom Glück, gefunden zu werden“ mit großem Erfolg und spendet einen beträchtlichen Teil des Erlöses der Tierheimkasse.

22. November:

Nach vier Jahren bieten Hundeausbilder Harald Lomb und Sabine Cech, unterstützt von der Übungsgruppe auf dem Tierheim-Hundeplatz, wieder eine Nachtübung für Bello und Co. an. Eine gute Gelegenheit für Tierhalter zu testen, wie der treue Vierbeiner bei Dunkelheit auf ungewohnte Situationen reagiert. Das Interesse ist groß, fast vierzig Teilnehmer absolvieren den mit etlichen Schikanen gespickten Parcours am Schwarzen Graben. „Eine sehr erfolgreiche Nachtübung“, bilanzierte Trainer Lomb. „Das machen wir wieder, auf jeden Fall.“ Zumal das Startgeld ungeschmälert dem Tierschutzverein, der zudem für Essen und Getränke gesorgt hatte, zugute kommt.

1. Dezember:

Achter Adventskaffee im und rund um das „Pfotencafé“. Bei eher angenehmem,  spätherbstlichem Wetter ein gelungener Jahresausklang und ein willkommenes Zeichen der Solidarität fürs bevorstehende Jubiläumsjahr. Was auch dringend nötig ist, denn just vor Weihnachten beschleißt auch die Stadtverordnetenversammlung in Heppenheim (unterm kommunalen Rettungsschirm) neben der allgemeinen Erhöhung der Abgabe für die Hundehalter eine „Kampfhundesteuer“. Künftig werden Besitzer der sogenannten „gefährlichen Hunde“ mit 480 Euro jährlich zur Kasse gebeten; dazu fallen noch Genehmigungsgebühren sowie Kosten für die Wesenstetst an. Heppenheimer, die einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, sind nur noch für ein Jahr von der Steuer befreit (anfangs drei Jahre, später reduziert auf zwei Jahre).

2012

28. Januar:

Nebel und Wind am Morgen lassen beim Glühweinfest zunächst Schlimmes befürchten, doch dann reißen gegen Mittag die Wolken auf. „Besser als gedacht“, bilanziert auch der Schatzmeister.

1. April:

Gute-Laune-Wetter gibt es zum elften Ostermarkt, wobei die zurückgekehrten Störche mit lautstarkem Klappern auf sich aufmerksam machen – und heimatlose Artgenossen, die ebenfalls Besitzanspruch anmelden, vehement auf Abstand halten.

20. April:

Immer mehr Exoten bringen Farbe in die Tierstatistik zur Hauptversammlung und stellen die Tierpfleger vor neue Herausforderungen. Schildkröten, Bartagamen und ein Python sind anspruchsvoll in der Haltung und schwer zu vermitteln, denn für sie braucht es kundige Halter. Da auch mehr und mehr Tiere vom Veterinäramt aus schlechter Haltung befreit und dem Tierschutzverein übereignet werden, haben sie als „Sozialtiere“ eine eigene Spalte in der Tabelle bekommen – im Berichtsjahr 2010 betraf dies immerhin elf Hunde, 15 Katzen, 24 Reptilien und drei Vögel. Zusätzliche Belastungen für den Etat, der trotz einer kleinen Erholung zum Jahresende einmal mehr mit Verlust abschließt. Schatzmeister Lindemann fordert Kreativität: „Wie können wir weiterhin die Spendeneinnahmen erzielen, die 55 bis 60 Prozent unseres Budgets decken, ohne Leistungen zurückfahren oder das Personal verringern müssen?“ Eine Zwickmühle, die bereits etliche Tierheime in Existenznöte oder sogar die Insolvenz getrieben hat, wobei Lindemann den Heppenheimer Verein noch vergleichsweise gut aufgestellt sieht.

22. April:

Dass Testamente und Vermächtnisse nicht nur die eigenen Tiere absichern, sondern auch dem Tierschutz generell Gutes tun können, darüber informiert im „Pfotencafé“ Hannelore Krusch-Schadt, Tierfreundin, Rechtsanwältin und Notarin. Denn im Gegensatz zu den Regelungen der Rechtsprechung anderer Länder sind Tiere in Deutschland nicht als Alleinerben einsetzbar, weshalb Hund, Katze und Co., die nach einem Todesfall einsam zurückbleiben, im Tierheim landen und dort die Welt nicht mehr verstehen. Wer seinen Schützling davor bewahren will, muss – und kann – vorsorgen.

12. Mai:

Ein „durchwachsenes Fest“ – morgens Ansturm, nachmittags Flaute gibt es beim Geranienmarkt. Schade, denn Zwinger und Gehege sind gut gefüllt, zumal auch noch aus schlechter Haltung gerettete Kleintiere um Kost und Logis anklopfen. 15 Kaninchenböckchen und 36 Weibchen, die meisten bereits wieder tragend, vegetierten auf einem Gartengrundstück in dunklen und verwahrlosten Buchten. Etliche bleiben in Heppenheim, andere haben Aufnahme in weiteren Tierheimen gefunden. Ohne große Probleme möglich macht das eine Initiative von Tierheimen und Tierschutzvereinen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, die unter dem Motto „Gemeinsam besser“ auch für derlei Notfälle gerüstet sind.

1. August:

Neu im Ausbildungsverhältnis ist Carmen Timm. Da sie zuvor im Rahmen einer „Einstiegsqualifizierungsmaßnahme“ schon im Tierheim tätig war, beginnt sie gleich mit dem zweiten Lehrjahr.

11. und 12. August:

Die erste zweitägige Benefizveranstaltung im Tierheim vereint Mittelalter und Moderne in einer eher ungewöhnlichen Allianz für den Tierschutz: „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim, Claudia und Holger Hörstkamp, kommen mit großem Tross an die Bergstraße: mit zahlreichen Helfern, den beiden Irish-Tinker-Pferden Sam und Winni, ihrem einzigartigen Mittelalter-Museumshaus und der 30 Meter langen Turnierbahn für die Reitershows auf der großen Wiese. Im „Pfotencafé“ residieren Dennis, Yasmin und Mahina von Bonaparte Tattoo in Heppenheim und übertragen unermüdlich die Motive, die für den guten Zweck gestochen werden. Auch das Wikingervolk Lorsch, das Drachenvolk Lindenfels und etliche andere Stände sorgen für einzigartiges Ambiente. Am Ende kann Auszubildende Lisa Immerschitt, die für den Tierschutzverein die Organisation gestemmt hat, ebenso aufatmen wie das ganze Team, denn eine ansehnliche Spende füllt die Tierheimkasse.

3. Oktober:

Auch das Herbstfest mit Höchstbetrieb vom Anfang bis zum Ende wartet mit einer Premiere auf: Hundetrainer Harald Lomb und Sabine Cech haben mit den Helfern der aktuellen Übungsgruppe den ersten Fun-Parcours auf dem Hundeplatz aufgebaut. Das Interesse ist groß, und das Startgeld kommt ebenso den Vierbeinern zugute wie der gesamte Festerlös.

2. Dezember:

Beim Adventskaffee schlägt dann der Winter voll zu. Wer kommt, gibt zwar getreulich seine Weihnachtsspende ab, aber niemand mag lange bleiben. Pech auch für die Karl-Kübel-Schüler um Evangelos Kodalis, die im Rahmen eines Projekts im Tierheim Glühwein und leckere Hundekekse verkaufen. Sie sind ein bisschen enttäuscht, „aber“, sagt Evangelos, „wir wissen ja, jeder Euro hilft“. Zum Jahresende sind auch noch Schüler der Bensheimer Metzendorfschule zu Gast, die mit Sozialpädagogin Ayla Karaoglu an vier Tagen im Tierheim mit anpacken.

Dass das Jahr 2012 mit großen Sorgen zu Ende geht, liegt an ärgerlichen Beschlüssen etlicher Kommunalvertretungen. Landauf, landab wird nicht nur die Hundesteuer erhöht – dass zudem für die so genannten Kampfhunde Extra-Abgaben fällig werden, findet bei den Tierschützern kein Verständnis mehr. Denn eins wissen sie schon jetzt: Die Leidtragenden sind die Tierheime.

2011

29. Januar:

Beim Glühweinfest beschert zur willkommenen Abwechslung Traumwetter auch einen Traumerlös. Der Andrang ist so groß, dass die Helfer im Hundegehege neben dem Hauptgebäude Tische und Bänke aufschlagen und das Areal zum zusätzlichen Freisitz umfunktionieren. So fängt das Jahr gut an.

5. April:

Mit einem Etat, der nach etlichen Jahren wieder im Plus liegt – mehr Einnahmen als Ausgaben – wartet zur Hauptversammlung Schatzmeister Günter Lindemann auf, warnt aber gleich vor jedweder Euphorie. Die sich sowieso verbietet angesichts der Zahlen, die Erste Vorsitzende Katrin Hassanin vorlegt: 989 Tiere hat die Einrichtung im Außerhalb 65 im Berichtsjahr 2010 aufgenommen – ein neuer, trauriger Rekord nach 829 Hunden, Katzen und Kleintieren, die zwölf Monate zuvor dem Verein übereignet oder als Fundtiere gebracht wurden. Mit 95 Stachelhäutern infolge eines frühen Kälteeinbruchs kam auch die Igelstation an die Grenze ihrer Aufnahmekapazität, so dass etliche Winterschläfer mit ihren Schlafboxen umgezogen sind in den neuen Katzenfreilauf. Hintergedanke dabei: Die Samtpfoten mögen ihnen die Ratten vom Leibe halten: Das hat bestens funktioniert. Ebenso problemlos funktioniert die Zusammenarbeit im Vereinsvorstand, denn alle Ehrenamtlichen werden bei den Wahlen im Amt bestätigt.

10. April:

Gefiederte Glücksbringer stellen sich rechtzeitig zum zehnten Ostermarkt ein: Ein Storchenpaar hat den Weidenkorb in luftiger Höhe, im Vorjahr auf einem eigens aufgestellten Stahlmast befestigt, entdeckt und für sich in Beschlag genommen. Der Festtrubel macht den beiden gar nichts aus, sie widmen sich fleißig dem Nestbau. Auch unten geht’s rund, der Festerlös kann sich wieder sehen lassen.

17. April:

In unregelmäßigen Abständen gehören zu den Projekten des Vereins neben Tierschutzunterricht in Kindergärten oder Grundschulen auch Informationsnachmittage im „Pfotencafé“. „Vogel gefunden – was nun“ ist an diesem Tag das Thema, Tierpflegerin Annett Fiedler klärt auf, wie und wann Menschen helfend eingreifen sollten – denn nicht alle vermeintlich schutzlosen Wildtiere sind wirklich in Not. Und wer sich nicht sicher ist, sollte sich besser Rat bei den Spezialisten holen. Auch ein Igelnachmittag einige Wochen später gewährt wichtige Einsichten und Erkenntnisse.

7. Mai:

Zum Geranienmarkt hat sich wiederum super Wetter eingestellt, die Besucherschar genießt die Aussicht auf das brütende Storchenpärchen, schaut den Schwalben beim Füttern des Nachwuchses zu und sorgt dafür, dass die Kasse munter klingelt. Zum guten Schluss ist so gut wie alles Essbare verputzt und Geranien und Co. restlos verkauft.

3. Oktober:

Besucherrekorde und kein Ende: Auch beim bereits 20. Herbstfest stimmt alles. Selbst in den langen Schlangen an Essensständen und im „Pfotencafé“ wird kaum gemurrt. „Man sieht, was hier alles getan wird, um den Tieren den Aufenthalt leichter zu machen“, bringt ein Gast das besondere Flair im Außerhalb 65 auf den Punkt. Ein ebenfalls prächtig besuchter Adventskaffee toppt den Veranstaltungsreigen – in Sachen Treffpunkt Tierheim erweist sich 2011 als außerordentlich gelungenes Jahr. Doch nicht geplante Reparaturen, generell steigende Kosten und der Spendenrückgang trüben die Gesamtbilanz.